INTERVIEW: 

2004-05-23 ASRAI

 

Karin, Drummerin bei den holländischen Gothic Rockern ASRAI plaudert über die holländische Musikszene im Allgemeinen. Über die übermächtigen Bands die jeder kennt und darüber, dass das liebe Geld manchen Wunsch vereitelt hat...

INTERVIEW

Nicht sieben Jahre in Tibet, aber dennoch sieben lange Jahre die seit eurem Debut ins Land zogen. Was ist in der Zeit um euch rum passiert?

 

Ja, sieben Jahre sind in der Tat eine lange Zeit und es ist in der Musikszene bei uns ein ganzer Haufen passiert. In Holland müssen viele Clubs immer noch ums Überleben kämpfen, viele mussten auch dichtmachen wenn die finanzielle Unterstützung ausblieb. Hier bei uns gibt es nämlich vom Staat Zuschüsse für nicht kommerzielle Auftritte. Ein weiteres Gesetz hat die Zahl der Konzerte drastisch sinken lassen, "Geluidshinderwet" wird der Erlass genannt, der die Lautstärke von Clubs regelt... Liveauftritte lagen fast alle über dieser Dezibel-Grenze! Und da die Clubs natürlich irgendwie überleben müssen, setzen viele heute mehr auf Disco als auf Livemusik. Holland hatte schon immer eine recht starke Metal und Punk(rock)-Szene, eine Gothic Szene wie man sie heute kennt gab es aber eigentlich nie. Die Gothic Szene bei uns beschränkte sich fast nur auf Electro und Industrial, mit einem realen Schlagzeug zu spielen... das gab es kaum. ASRAI war auf vielen Gothic-Festivals in Holland dann die einzige Band mit echten Drums! Diese Cyber Gothics sind immer noch stark vertreten, für uns war es daher nie ganz leicht an Gigs zu kommen. Dieses Revival der 80er hat uns natürlich etwas geholfen, die Leute wollten wieder Gothic Rock hören mit Gitarren, Keyboard und Bass.



Waren es denn nur die Umstände von außen oder ändern sich nicht auch die Persönlichkeiten in so einer Zeit?


Klar verändert sich auch die eigene Wahrnehmung und der Blickwinkel mit der Zeit! Ist doch ganz normal wenn man eben älter wird. Obwohl sich das Interesse an der Musik die wir machen eigentlich nie geändert hat. Die Wurzeln von uns allen liegen im alten Punkrock und Wave. Als wir bei Transmission Recors unterschrieben haben, erkannten wir, dass uns dies auch die Chance gibt, uns musikalisch zu entwickeln und auch neue Dinge auszuprobieren. An einigen Stellen auch Zugeständnisse zu machen, gehört aber dazu.



Wenn Du also mal eure frühere Musik mit dem aktuellen Album vergleichst, worin unterscheidet sie sich?


In erster Linie hat sich bei unserem Line Up soviel geändert, dass man jetzt einfach mit neuen Gesichtern und neuen Ideen ganz anders an so eine Sache rangeht. Die Arbeit mit Samples und Keyboards war eine völlig neue Dimension. Was aber gleich geblieben ist wenn man so will, ist die Harmonie unter uns allen. Denn das ist einfach zwingend nötig wenn man gemeinsam Musik macht und auch Emotionen verarbeiten will.


Harmonie bei so vielen Mädels in einer Band? Was ist die Stärke dieser Konstellation...?

 

Frauen haben einfach eine ganz andere Logik als Männer... das gibt vielen Sachen eine verdrehte Bedeutung!


Wovon wohl jeder ein Lied singen kann... Woher stammen die düsteren Themen eurer Texte?


Nun... die Texte sind alle sehr persönlich. Es sind Reflektionen dessen, war uns im täglichen Leben begegnet.


Und im Coverartwork findet man die üblichen Verdächtigen, die typischen Gothic Klischees von Rosen bis hin zu einem Engel...


Letzten Endes haben wir deswegen dem Konzept zugestimmt, da das Artwork unsere Musik sehr gut repräsentiert. Leute die uns nicht kennen, werden auf diese Weise auf uns aufmerksam. Wir wollten eigentlich, dass Marcel De Jong das Artwork für diese CD für uns zeichnet. Wir kennen ihn schon von früher und haben bereits mit ihm zusammengearbeitet. Es ist meistens einfacher wenn man bereits den Künstler kennt und umgekehrt. Wir wollten etwas düsteres und gruseliges, mit einem Ring aus Rosen als Tor zu einer anderen Welt. Unsere Plattenfirma schlug uns aber Carsten Dresher vor und nach einigen Änderungen im Design stimmten wir dann seinem Entwurf zu. Von ihm kam auch der Vorschlag mit dem Engel. Uns bedeutet das Symbol eines Engels nicht viel, aber es strahlt eine gewisse Ruhe aus. Der Rest des Bildes beinhaltet einige persönliche Details, die Rosen wollten wir ja wie gesagt von Anfang an und den lila Grundton an Farben auch. Für die Bilder im Booklet hat jeder von uns seine Wünsche umgesetzt. Die Tiere dort haben ihre "Pagan"-Bedeutung. Die Eule steht für innere Weisheit, die Fledermaus für Dämonen und Geister im mittelalterlichen Europa. Und die Raben stehen Magie, Geheimnisse, sie sind die Wächter im Zyklus von Leben und Tod.


Warum habt ihr das Album denn in zwei verschiedenen Studios aufgenommen?


Das war ganz klar ein Geldproblem. Wir wollten Roman als Producer haben, aber unser Budget war zu eng. Wir haben einige Sachen in Roman´s Studio aufgenommen, einige andere in den Excess Studios. Obwohl wir mit dem Resultat insgesamt sehr zufrieden sind, haben wir uns doch entschieden, das nächste mal alles definitiv nur in einem Studio zu recorden!



Und ist denn dabei irgendwas Lustiges passiert?


Wenn ich mir das so überlege, sind die lustigen Sachen wohl eher danach passiert. Obwohl, wir haben eine ganz witzige Geräusche benutzt auf der CD, unter anderem die von unserem Hund Yawin, das war unterhaltsam! Und als wir nach den Aufnahmen zusammen im Aichtal waren, haben einige doch sehr gelacht als sie mich durch den Schnee laufen sahen... (Anm. dod: ???)



Ihr habt zu "Pale Light" ein Video gemacht. Das war eine neue Erfahrung für euch oder?


Ohja, in der Tat! Eigentlich wollten wir auch hierfür Marcel De Jong haben, seine Idee hatte uns gut gefallen: Voll animiert, sehr sehr düster... aber auch diese Umsetzung scheiterte leider am Budget. Wer sich ein Bild von der eigentlichen Idee machen möchte, kann dies unter www.marceldejong.com tun! Wir mussten uns also etwas neues einfallen lassen und eines Tages kam Marcel mit der Idee an. Wir drehten das Video im Studio mit Marcel de Jong und Jelle Swetter. Am Ende kam ein Clip heraus, der durch extreme Kontraste und viele bunte Wechsel besticht, die einen immer zur nächsten Szene führen.



Welche Songs auf dem Album sind denn euch selber am meisten ans Herz gewachsen?


Karin (drums): "Restless", er rührt mich immer wieder zu Tränen. Und davon ab ist er für mich eine gute Chance mal wieder die Drums heftig zu maltretieren!


Margriet (vocals): Bei "Restless" und "Touch in the Dark" mag ich die Experimente mit meinen Vocals. An "Child" mag ich die orientalische Stimmung und die Tatsche, dass mein Sohn hier "mitsingt".


Martin(bass): Das ist schwer zu sagen, jeder Song hat seine Eigenarten die ich mag.

 

Rik (git.): "Child"! Ich mag diese heavy Gitarren im Chorus.


Manon: "Shadows", ich mag bei beiden Versionen des Songs einfach die Atmosphäre.

 


Ein paar Worte über Bands wie THE GATHERING müssen sein, auch wenn ihr es sicher leid seid, darüber zu reden... wie dominieren sie die Szene bei euch?


Holland hat keine sehr einfache Musikszene. Ich denke, dass es ziemlich schwer ist, den Einfluss einer Band wie THE GATHERING bei uns zu beurteilen. Ich wüsste nicht einmal mehr ob ich sie noch der Gothic Szene zuordnen würde. Sie waren aber sicherlich eine der ersten, die diese Musik einem größeren Publikum zugänglich machten, manchmal ist das für die Undergroundszene schwer zu akzeptieren. Es gibt nämlich noch mehr derart talentierte Bands, die aber niemals den Durchbruch schaffen werden, denn dafür ist die Musik dann doch zu wenig Mainstream. Man muss für den Erfolg also härter arbeiten, was nicht zuletzt die Musik aber so besonders macht. THE GATHERING versuchen noch immer, neue Wege in der Musik zu gehen, ihre Musik ist sehr atmosphärisch und sie sind eben immer noch eine der besten Bands Hollands. Sie haben den Weg für viele geebnet auch die Chance zu erlangen von einem größeren Publikum wahrgenommen zu werden!


Und wann wird man euch mal live sehen können?


Definitiv bald, wir arbeiten daran...


Famous last words...

Let´s rock to the end of days and leave beautiful corpses!