Webzine
Aus Holland schwappen ja momentan so einige Bands herüber, die sich dem Gothic Metal verschrieben haben. Eine hierzulande noch weniger bekannte Formation ist Asrai, die rein qualitativ den bekannten Acts gewiss in Nichts nachsteht... Dass es ein harter Weg bis zur Veröffentlichung des neuen Albums Touch in the dark" war, wird im Interview mit Drummerin Karin deutlich, welche sich offenherzig unseren neugierigen Fragen stellte...
      Karin, gewundert, fast erschrocken, habe ich mich, als ich mir das Presseblatt bezüglich Asrai zur Hand nahm und entdeckte, dass ihr als Band bereits seit 1988 existiert. Am stärksten wunderte mich, dass euer neues Album Touch in the dark" erst euer zweiter Release ist. Warum hat es insgesamt derart lange gebraucht, um mit neuem Material ans Tageslicht gelangen zu können? Euer Debüt resultiert ja aus dem Jahre 1997, was ja nun auch schon einige Zeit her ist...
* Karin _ Es gab diverse Gründe dafür, aber der Hauptgrund liegt in verschiedenen Line-Up Veränderungen. Es hat uns viel Zeit und Energie gekostet, die Besetzung zu finden, welche heute miteinander musiziert. Es ist ebenso kompliziert, wenn du ohne den Support eines Labels auskommen musst. Sehr lange waren Plattenfirmen nicht an dieser Art von Musik, wie wir sie machen, interessiert, ebenso wie sämtliche holländische Magazine. Als wir unser Debüt veröffentlichten, kümmerten wir uns um alles selbst, bezahlten das Studio, das Artwork und all die Dinge, welche da noch hinzukommen. Das gleiche trifft auf unsere vier Tape-Veröffentlichungen zu. Ohne die richtigen Connections und Finanzen ist es wahrhaft schwierig, einen guten Vertrieb, geschweige denn Promotion zu bekommen. Es ist kein einfaches Geschäft, hier ein kleines Beispiel: Kurz nachdem wir unser erstes Album aufgenommen hatten, wurde uns die Chance zuteil, auf einer holländischen Compilation-CD mit zehn weiteren Bands in Erscheinung zu treten. Was wäre das für eine tolle Promo gewesen ... Nur leider mussten alle Bands im Vorfeld viel Geld bezahlen, was zur Folge hatte, dass eine gewisse Person namens Oliver Kraupa sich mit dem Geld aus dem Staub machte, und die Scheibe natürlich nie veröffentlichte. Kurz nach diesem Misserfolg bot sich uns die Gelegenheit, bei einem deutschen Label zu unterzeichnen, wir haben uns das Ganze natürlich besonders gut überlegt, um uns nicht noch einmal die Finger zu verbrennen. Am Ende entschieden wir dann, die Chance beim Schopfe zu fassen und unterschrieben bei Poison Ivy, wo dann die Veröffentlichung unseres Debüts As voices speak" in Deutschland veranlasst wurde. Als wenn wir nicht schon genug Pech am Hacken kleben hatten, ging Poison Ivy bankrott (ein Unglück, ich weiß). Kurz darauf verließ uns auch noch unser Gitarrist, welcher sich in eine andere Richtung weiterentwickeln wollte. Es dauerte länger als wir anfangs annahmen, einen neuen, richtigen Gitarristen für uns zu finden... Aber letzten Endes haben wir ihn ja gefunden...!   
 
     Ja, schon irgendwie eine tragische Story, hoffentlich wird bei Transmission Records nun alles bedingungslos klappen, über dieses Label wurde ja nun euer neues Langeisen veröffentlicht. Was erwartet ihr euch von dieser Zusammenarbeit, auch in Anbetracht all der schrecklichen Dinge, die in der Vergangenheit verhinderten, dass ihr musikalisch schneller voranschreiten konntet?
* Transmission Records ist eine Plattenfirma, die an ihre Künstler glaubt, welche sie signt. Was einem die Möglichkeit gibt, sich als Musiker auf ein höheres Level hinzuzubewegen, womit wir im Verlaufe der Entstehung des neuen Albums konfrontiert wurden. Aber was erwarten wir? Im Laufe der Jahre haben wir gelernt nicht ZU viele Erwartungen zu hegen. Wir lassen Dinge geschehen und genießen jeden Abschnitt, den wir auf unserem musikalischen Pfad antreffen.
     Kannst du mir mal ein wenig beschreiben, wie ihr euch musikalisch entwickelt habt? Wie anders klingt das Debüt As voices speak" im Vergleich zu Touch in the dark"? Ich kenne leider nur euer zweites Album, vermute aber mal, dass jenes ein wenig härter ausgefallen ist?
* Ich persönlich denke nicht, dass "Touch in the dark" härter ist als unser Debüt. As voices speak" ist rauer, mit mehr Grinds von Margriet versehen (die wir inzwischen weglassen, um ihre Kehle zu schonen...). Ein anderer großer Unterschied besteht in der Zeitspanne, in der wir die Alben einspielten. Die erste CD wurde innerhalb von drei Tagen ohne Produzent aufgenommen. Dieses Mal hatten wir einen ganzen Monat Zeit, einen Producer zur Hand und einen der besten Mischer: Sascha Peath. Unsere Auffassung vom Musikmachen ist einfach dieselbe...

     Ich versuchte meine Vermutung abzuleiten, weil eure Wurzeln ja im Punk und im Wave liegen. Wann habt ihr denn eure Leidenschaft für härterer Sounds entdeckt?
* Was ist die Definition von "hart"?  Unsere Leidenschaft für Musik entdeckten wir ab dem Moment, als wir zum ersten Mal eine Band live spielen sahen. Wir haben uns nie im Mainstream dieser Zeit zuhause gefühlt, da kam uns die alternative Szene gerade recht, die uns im Gegensatz dazu das Gefühl gab: Hier bin ich zuhause. Der wütende, rohe Sound des Punks und der doomige, düster emotionale Sound des Waves war Liebe auf den ersten Blick. Jede Szene folgt ihren eigenen Weg, ihre Emotionen nach außen zu kehren, das trifft auch auf den Metal mit seinen powervollen Gitarren zu... und wir mögen diesen Sound. Wir erfreuen uns an den verschiedensten Bands und ihrer Musik. Es beeinflusst und inspiriert uns, verschiedene Ansätze und Aspekte der Musik zu im Auge zu behalten.

     Was kannst du mir denn noch über die Arbeit an eurer neuen Scheibe erzählen? Ich habe gelesen, dass die CD in Holland (Excess Studio) als auch in Deutschland ( Beautiful Lake Studio) aufgenommen wurde....
* Unser Demo für "Touch in the dark" wurde in den Beautiful Lake Studios mit Roman Schoensee aufgenommen. Wir wollten ihn als Produzent, und um die Kosten möglichst niedrig zu halten, nahmen wir die Bass- und Keyboardlinien dort auch auf. Der Rest wurde in den Excess Studios in Holland mit Hans Pieters recordet.

    Auf eurer Homepage habe ich versucht, einige Infos über die Mitglieder von Asrai in Erfahrung zu bringen, gefunden habe ich allerdings nur die Fotos der einzelnen Musiker. Kannst du mir mal ein wenig mehr zu den einzelnen Personen erzählen, wer ist für was verantwortlich? Diese Frage ist vielleicht für diejenigen von Interesse, die ein wenig mehr über die Personen hinter Asrai erfahren möchten. Wie du schon sagtest, gab es in der Vergangenheit einige Besatzungswechsel... in Zeiten von As voices speak" ward ihr auch zu viert, und heute tretet ihr zu fünft in Erscheinung...
* Wir alle fingen recht früh an, in Bands zu spielen. Rik zockte jahrelang in verschiedenen Punk Rock und Wave-Bands, bevor er bei uns einstieg. Wir alle haben die gleichen Roots, was eine gute Basis ist, zusammen Musik zu machen und sich in Sachen Sound zu verstehen. Margriet und ich begannen 1985 in einer Girl-Band, welche dann 1988 in Asrai umfunktioniert wurde. Auch Martin spielte vorher in diversen Punk Rock-Bands, zusammen mit Bert, welcher später unser erster männlicher Gitarrist wurde. Manon trafen wir wiederum durch Patrick, einem Typen der zeitweise die Gitarrenposition einnahm und mit uns zwei Gigs zusammen spielte. Unser aktuelles Line-Up besteht nun aus Margriet (Gesang), Rik (Gitarre), Manon (Synths), Martin (Bass) und mich, Karin (Drums)...
Jeder von uns trägt seinen Beitrag zur Entstehung der Songs bei, und jeder lässt dabei seinen eigenen Charakter einfließen. Die meisten Lyrics stammen von Margriet, einige von Rik und mir. Was kann ich noch so verraten...? Ich bin auch für die Homepage, Merchandise und den ganzen Business-Kram verantwortlich. Vier Jahre waren wir, wie du schon erkannt hast, zu viert, aber irgendwann verspürten wir den Drang, mehr Experimente zu wagen, sodass wir uns nach einem Keyboarder bzw. nach einem zweiten Gitarristen umgesehen haben. Diese Pläne begleiteten uns eine lange Zeit, aber es war schwieriger als angenommen, die Personen zu finden, die wir uns für die Band vorstellten. Als unsere Bassistin kur vor den Demo-Aufnahmen zur neuen Scheibe krank wurde, fragten wir Martin (wir kannten ihn jahrelang, natürlich als brillanten Bassisten), die Bass-Parts zu übernehmen, gaben ihr aber die Chance zu genesen... nur leider entdeckte sie ihre Intensität Bass zu spielen nicht wieder, weshalb sie sich entschloss, Asrai zu verlassen. Glücklicherweise blieb Martin uns treu und kurz nach den Aufnahmen fanden wir auch eine Keyboarderin. Nachdem sie das Demo in die Hände gekriegt hatte, ging alles sehr schnell... Bevor wir es überhaupt realisieren konnten, waren wir bereits fünf Leute on Stage. In der Zwischenzeit schickten wir unser Demo Transmission Records zu, die entschieden, uns unter Vertrag zu nehmen und uns die Möglichkeit erteilten, das Album mit einem größeren Budget, womit wir noch mehr aus den Songs herausholen konnten, noch einmal aufzunehmen... So gingen wir noch einmal als fünfköpfige Band ins Studio...

     Was Asrai wirklich von anderen Bands unterscheidet, ist die Tatsache, dass ihr drei weibliche Mitglieder an Bord habt. Warum denkst du, dass das genau in eurer Band so ist? Und warum denkst du, dass das bei anderen Formationen genau andersherum ist?
* Vielleicht weil wir einfach nur glücklich sind? Die Musik-Szene ist immer noch in Männerhand. Angefangen haben wir als reine Mädchen-Band, aber über die Jahre war es für uns wichtiger geworden, inspirierende Musiker dabei zu haben, egal welchen Geschlechts, anstatt krampfhaft zu versuchen, weiterhin ausschließlich eine weibliche Band zu bleiben. Deshalb wagten auch erstmals Männer den Eintritt in unsere musikalische Welt. Margriet und ich haben einst die Band gegründet, zwei Frauen bilden also die beständige Basis von Asrai. Es verschafft einfach einen anderen Blickwinkel, wenn man nach neuen Bandmitgliedern Ausschau hält.

     In Deutschland haben wir das Gefühl, dass besonders in den Niederlanden der Enthusiasmus ungebrochen ist, was den Gothic Metal betrifft (besonders jener, welcher weibliche Vokals beinhaltet). Unzählige Bands sind dort in den Charts, welche viele Leute hier in Deutschland noch nicht einmal kennen...
* In Holland hatten wir schon immer eine starke Metal-Szene. Aber mehr und mehr bezogen die Bands Gothic-Einflüsse mit in die Musik ein... Es scheint, dass es ein ganz normaler Prozess war, dass sich im Laufe der Zeit mehr Leute für diese Art von Musik interessiert haben. Die Medien haben diese Art von Musik jahrelang ignoriert, aber inzwischen müssen sie ihr einfach Aufmerksamkeit schenken. Das lustige an der Sache ist, dass ich stets das Gefühl hatte, dass in Deutschland der Drang nach dieser Musik ausgeprägter ist, als in Holland...

     Nun ja, eine momentan in Deutschland sehr erfolgreiche holländische Band ist ohne Zweifel Within Temptation, mit der ihr ja auch des öfteren verglichen werdet, und nur weil ihr rockige Metal-Klänge mit weiblicher Stimme ausschmückt, ja, und eben, weil Within Temptation zu den erfolgreichsten Acts dieses Genres" zählen... Was denkst du selbst über solche Vergleiche? Als ich Touch of darkness" das erste Mal intensiver hörte, kamen mir aufgrund des Stils, wenn überhaupt Lacuna Coil in den Sinn... Aber ergreife du mal besser das Wort...
* Wir glauben, dass die Leute stets das Bedürfnis verspüren, einer Band einen Platz gemäß ihrer musikalischen Ansichten zuzuordnen Darum vergleichen sie auch ständig Musik mit der, welche ihnen am geläufigsten ist. In unseren Anfangstagen wurden wir oft mit Siouxsie and the Banshees verglichen. Und es scheint, dass es nur eine logische Schlussfolgerung ist, dass wir mit Formationen verglichen werden, welche ebenso rockigen Metal-Sound mit Frauenstimme verwenden. Der größte Unterschied zu all diesen Bands ist unser Background, und ich hoffe, dass man ihr das noch anhören kann.

     Ich denke eure Musik ist von Wert, weil sie frei von Klischees auf einen nieder regnet, es seid einfach IHR! Aber lass mich eine Sache erlauben zu gestehen ... Warum habt ihr ein Coverartwork gewählt, welches die Leute genau das vermuten lässt? Vielleicht bezieht sich das nur auf meinen eigenen Geschmack, aber ja, eines der ersten Dinge, welche mir durch den Kopf gegangen sind, als ich Touch in the dark" zum ersten Mal hörte war: Oh, die Musik ist doch besser als ich vermutete." Schon strange oder?
* Erst mal vielen Dank für das großartige Kompliment über unsere Musik, aber ich verstehe auch deine Verwirrung bezüglich des Artworks... Als wir das erste Mal darüber nachdachten, standen für uns gewisse Elemente fest, welche wir unbedingt darin haben wollten. In all unseren Artworks unserer Veröffentlichungen (Tapes und CDs) gibt es Verbindungen zu verschiedenen Elementen der Natur. In gewisser Hinsicht ist das wichtig für uns. Wir wollten einen Rosenkranz als Pfad zu einer anderen Welt... (als Schritt in eine Welt, die sich Asrai nennt), ebenso etwas mit Feen und Pagan-Elementen integrieren. Eine von Manon's (Keyboard) großen Leidenschaften ist die Fotografie, und alle Statue-Fotografien im Booklet und die Coverabbildung unserer Single Pale light" stammen von ihr. Carsten Dresher hat das Artwork am Ende gestaltet und dabei all unsere Ideen mit dem kombiniert, was er beizutragen hatte. Und letzten Endes erscheint es voller Klischees, aber es ist wiedererkennbar für das Publikum.

   Okay, dann versuche ich zumindest mich dran zu gewöhnen...:)
Welche persönlichen Wünsche über Erfolg außerhalb der Niederlande begleiten euch, ja auch vielleicht in Deutschland, wo der Markt bekanntlich sehr attraktiv ist oder auch gern anderswo? Auch vielleicht mal ein paar Gigs zu spielen ... einige Pläne dahingehend?
* Wir träumen natürlich alle intensiv, aber es ist immer vernünftig, seinen Horizont zu erweitern und jeden einzelnen Gig, den man spielt bis zum letzten Ton zu genießen. Wir werden einige Shows im Oktober spielen, auch unsere ersten in England. Danach werden wir sehen, wer oder was unsere Wege kreuzt. Aber sicherlich werden wir mal nach Deutschland kommen.

    Okay, ich denke, es wurde alles entlockt, was entlockt werden wollte, so bleibt nur noch zu sagen, dass ich alles Gute für die Zukunft wünsche!
* Danke! Viel Glück auch mit Metalius!