- Fast zwanzig Jahre Erfahrung im Musikbusiness und bis heute dennoch ein nahezu unbeschriebenes Blatt - das trifft auf die niederländische Formation Asrai zu. Ihre Wurzeln liegen im Punk, ihr heutiger Sound irgendwo zwischen Gothic und Gothic-Metal. Blacklight erteilte Schlagzeugerin Karin das Wort, in der Hoffnung, dass bald auch Asrai die Aufmerksamkeit bekommen werden, die ihnen gebührt.
Blacklight (Macro): Hallo Karin, bitte erzähl doch unseren Lesern zunächst einmal, wer Asrai eigentlich ist und wo Ihr herkommt?
Asrai (Karin): Die drei Damen unserer Band leben in Schiedam, unserer Gitarrist Rik kommt aus Den Haag und der Bassist lebt in Rotterdam. Unsere Sängerin Margriet und ich, ihre Zwillingsschwester am Schlagzeug gründeten die Band. Zur selben Zeit machte Martin, unser derzeitiger Bassist, mit unserem ersten männlichen Gitarristen Bert Musik und später mit unserem Bruder Henka. Wir trafen Rik durch Jos (Grendel), der für kurze Zeit Gitarre bei Asrai spielte. Natürlich triffst Du eine Menge Musiker in den Jahren und durch Patrick (Malochia), der vorübergehend unseren Gitarristen ersetzte und zwei Gigs mit uns spielte, trafen wir schließlich Manon, welche jetzt für die Keyboards verantwortlich ist.
Blacklight: Wann habt Ihr Asrai denn gegründet und welche Intention stand damals im Vordergrund?
Asrai: Im Juni 1985 haben wir zunächst die Band Twins No Twins gegründet. Die Musikszene war damals sehr von Männern dominiert und ist es bis heute auch immer noch. Also war es Zeit für ein bißchen weiblichen Einfluß. Wir waren nicht im mindesten beeindruckt von unserem Mangel an musikalischer Erfahrung, ergriffen die Initiative und gründeten Dank unserer "Punk-Seelen" eine "All-Girls-Band. Unsere Musik war zwar ernüchternd, aber intensiv und aufgrund unseres intensiven und gleichzeitig düsteren Klanges, traten wir aus allen übrigen Punk-, Hardcore- und Heavy-Metal-Bands hervor. Wir hatten die Nase voll vom gönnerhaften Verhalten dieser Szene und gingen unseren eigenen Weg, was das Styling und die Musik betraf. Nach drei Jahren, in denen Band-Mitglieder kamen und gingen, änderten wir unseren Namen in Asrai. Musik zu machen wurde ein so wichtiger Bestandteil unseres Lebens, dass wir den einstigen Plan, eine "All-Girl-Band" zu sein über Bord warfen - das war irgendwann einfach nicht mehr wichtig. Es wurde jedoch um so wichtiger für uns, Musikerinnen zu sein, so dass unser erster männlicher Gitarrist in unsere Welt trat und in dieser Formation spielten wir acht Jahre lang.
Blacklight: Was bedeutet der Name Asrai und warum habt Ihr diesen Begriff als Name für Eure Band gewählt?
Asrai: Die Asrai sind kleine, zerbrechliche, weibliche Wesen, die zu einer Wasserpfütze werden, wenn sie gefangen und dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Dies gibt ihnen irgend etwas unerreichbares - dies ist auch irgendwie die Art, wie wir unsere Musik selbst erfahren.
Blacklight: Eure Musik ist meiner Meinung nach eine Mixtur aus Gothic und Gothic-Rock mit Gothic-Metal Einflüssen und kann gelegentlich mit anderen Bands aus den Niederlanden, wie zum Beispiel The Dreamside oder auch The Gathering verglichen werden. Was meisnt Du, wie es zu dieser Ähnlichkeit kommt? Liegt das nur am gleichen Herkunftsland oder hat das auch noch andere Gründe?
Asrai: Es ist überhaupt nicht komisch, dass man Einflüsse von The Dreamside in unserer Musik bemerkt, denn das aktuelle Album wurde ja von Roman Schönsee (The Dreamside) produziert. Also ist es nur logisch, dass man einen musikalischen Bestandteil ihrer Musik in unserer aktuellen Produktion wiederfindet. Aber ich muß dir zustimmen, denn oft haben viele Bands aus einem Land ihren unverkennbaren Klang hat. Du wirst ja zum Beispiel auch immer merken, ob es sich um eine deutsche oder skandinavische Band handelt. Warum genau das so ist, kann ich aber auch nicht erklären.
Blacklight: Ihr habt bereits vor ein paar Jahren ein Album bei Michael Zöllers Label Poison Ivy veröffentlicht. Diesem Debüt wurde hier jedoch nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit geschenkt und viele Leute kennen Asrai bis heute noch nicht nicht. Warum glaubst Du, bekam "As Voices Speak" kaum Aufmerksamkeit und warum habt Ihr im laufe der vielen Jahre, wo es euch nun schon gibt, überhaupt nicht schon mehrere Alben veröffentlicht?
Asrai: Kurz nachdem wir unser erstes Album veröffentlicht hatten, wurde es von Poison Ivy Records entdeckt. Wir waren damals nicht eigenständig in der Lage, unser Werk in den Niederlanden zu promoten und kurz nachdem wir den Vertrag mit Poison Ivy abschlossen hatten und die deutsche Edition erschienen war, ging Poison Ivy bankrott... das war Pech. Für uns machte es nun keinen Sinn mehr, das Album weiterhin zu promoten, denn es war inzwischen schon mehr als ein Jahr alt. Also wollten wir ein neues aufnehmen, doch durch die diversen Line-Up Wechsel, dauerte es eine ganze Weile, bis wir ein neues Album produzieren konnten, obwohl wir dies schon lange fest beschlossen hatten. Als erstes produzierten wir eine Demo-CD und sendeten diese an verschiedene Plattenfirmen. Nachdem Transmission Records uns unter Vertrag genommen hatte, hatten wir die Möglichkeit, unser Album mit einem größeren Budget aufzunehmen. Durch einen Brand bei unserer Plattenfirma, fand die Veröffentlichung letztlich später als geplant statt.
Blacklight: Welche Bands haben Euch und Eure Musik beeinflusst?
Asrai: Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, dass jeder von den Menschen die er trifft und den Bands die er hört beeinflusst wird. Was wir an der Punk-Szene mochten, war die unverfälschte Energie und Wut. Bei den Wave/Gothic-Bands war es der verhängnisvolle, düstere, emotionale Klang.
Blacklight: Kannst Du mir ein wenig mehr über die Gothic-Szene in den Niederlanden erzählen?
Asrai: Die holländische Gothic-Szene ist sehr Industrial orientiert. Hier gibt es eine Menge "Dance-Parties" und manchmal auch Festivals mit Bands. Das Terra-Gotha-Festival in Vlissingen ist eine sehr schöne und von Wom De Nooyer gut organisierte Veranstaltung. Im Moment versuchen ein paar Leute aus Rotterdam verstärkt Batcave und Gothic-Rock-Nächte zu organisieren. Das ist eine gute Alternative für die Leute, die nicht so sehr auf Industrial stehen.
Blacklight: Wart ihr jemals in Deutschland und kennt ihr die Gothic-Szene hier? Welche Unterschiede gibt es da zur holländischen zu entdecken?
Asrai: Ja, wir waren schon in Deutschland. Wir sind auch dieses Jahr zum Wave-Gotik-Treffen in Leipzig gefahren. Der große Unterschied zwischen der Gothic-Szene in Deutschland und Holland ist das Publikum. Ich habe das Gefühl, dass die Leute aus Holland kritischer sind. Die Gothic-Szene in Deutschland ist aber viel größer, sowie das Land im Vergleich zu Holland größer ist. Die Szene in Deutschland ist mehr Gothic-Rock orientiert. Auch gibt es in Holland keine großen Gothic- Magazine. Die meisten sind mehr Hardrock/Metal orientiert - also ist es schwer für uns, Aufmerksamkeit von den holländischen Medien zu bekommen.
Blacklight: Wie bekannt seid Ihr in den Niederlanden?
Asrai: Nach der Veröffentlichung unserer aktuellen Single "Pale Light" konnte man uns regelmässig auf dem Musiksender "The Box" mit unserem Videoclip sehen. Dies ist eine gute Möglichkeit für die Leute, uns kennenzulernen und die "Die Hard"-Fans kennen uns ja sowieso schon von den Jahren zuvor. Es ist komisch, wenn man darüber nachdenkt, wie bekannt man ist. Wir haben das nie wirklich begriffen, weil es für uns persönlich nicht so wichtig ist. Musik zu machen und unser Leben so zu leben, wie wir wollen ist wichtiger für uns. Aber es ist schön, wenn die Leute von unserer Musik berührt sind. Das ist eine großes Kompliment für uns.
Blacklight: Es gab viele gute Songs auf Eurem Album, die als Single in Frage gekommen wären. Warum habt Ihr das Stück "Pale Light" ausgewählt?
Asrai: Danke! Nun, Transmission Records hatte die Idee mit "Pale Light", wegen des "Catchy-Sound".
Blacklight: Welche Zukunftspläne habt ihr und was erwartet ihr von Eurem neuen Album?
Asrai: Natürlich weiter Musik machen und auch live spielen. Das Album wird in 36 Ländern veröffentlicht und um ehrlich zu sein: Wir wissen nicht, was wir erwarten sollen. Es ist das erste Mal für uns, bei einer Plattenfirma unter Vertrag zu sein, die so stark an unsere Musik glaubt und uns die Möglichkeit gibt, einen höheren Level zu erreichen.
Blacklight: Wird man euch auch dieses Jahr noch Live zu sehen bekommen - vielleicht sogar in Deutschland?
Asrai: Wir planen durchaus Live-Auftritte und hoffen, dass die ersten Termine bald bekannt gegeben werden können.
Blacklight: Gibt es etwas besonderes, erwähnenswertes im Hinblick auf eure Live-Shows, arbeitet ihr zum Beispiel mit Special-Effects oder ähnlichem?
Asrai: Wir planen, was Show-Elemente betrifft, nicht sonderlich viel, weil Asrai Basis-orientiert ist. Was Du siehst, st was Du bekommst. Unsere Musik spricht für sich selbst. Die Gefühle eines jeden Band-Mitgliedes wirken immer durch unsere Musik und das kann man auch bei jedem von uns sehen, wenn wir live spielen. Wenn man zu viele Show-Elemente einfließen läßt, stört das die Konzentration der Band-Mitglieder. Natürlich ist eine gute Lightshow eine wundervolle und sphärische Unterstützung des Auftritts und vielleicht werden wir damit ein wenig mehr experimentieren. Wir haben schon einige Ideen diesbezüglich, jedoch sollte das Licht schon zur Show passen und die Musiker selbst nicht überrollen.
Blacklight: Möchtet Ihr noch etwas hinzufügen?
Asrai: Im Moment stehen viele Gothic-Bands im Rampenlicht und wir haben großes Interesse an dieser Entwicklung. Ein größeres Publikum interessiert sich für diese Musik und geben vielen Bands die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. In den letzten Ausgaben des Orkus und Zillo, wurde Frauen eine Menge Beachtung in der Musik gegeben und ich habe das Gefühl, dass ihr musikalischer Beitrag sehr viel wichtiger als ihr Ausssehen geworden ist. Wir hoffen wirklich, dass das magische und dunkle Flair des Gothic aufgrund der zunehmenden Kommerzialisierung nicht verloren geht und nicht alles, was Gothic so einzigartig macht, zu einem kommerziellen Cliche verkommt. Aus verschiedenen Quellen haben wir gehört, dass die Leute letztendlich des selben "alten Konzepts" überdrüssig werden und den ursprünglichen Gedanken dieser Art von Musik vermissen. We are for real - love us or leave us!
Übersetzung ins deutsche: Shani [thanx :-)]
20.06.2004 Marco Schwiers |